Blick

in die Evangelische Kirchengemeinde Eisenberg/Pfalz



Monatsspruch September:

Gott spricht: Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich Zisternen, die doch rissig sind und kein Wasser geben. < Jeremia 2, Vers 13 >


Liebe Gemeinde,

Gott spricht und Sünde, das sind doch zwei Dinge, die uns so fremd sind wie die sprichwörtlichen spanischen Dörfer. Gott spricht, das glaubt doch kaum noch einer, und von der Sünde hat sich auch nur noch der Verkehrssünder oder die Vorstellung von den kleinen Sünderlein, wie sie von Willi Millowitsch im Karnevalsschlager besungen wird, erhalten. - Doch wie es auch sei, an den Taten der Sünde haben wir reges Interesse, ganze Zeitungen leben davon, daß uns die Sünden der Prominenten möglichst schnell und detailliert serviert werden. Das Interesse an der Sünde scheint hier mit der Bibel übereinzustimmen. Nur der kleine Unterschied ist, die Bibel möchte nicht unsere Neugierde auf fremde Sünden befriedigen, sie interessiert sich für die Sünde, weil sie unser Leben zerstört, und das Ziel des biblischen Interesses ist, daß wir von der Sünde frei werden, und nicht die Befriedigung unserer Neugierde.
Der Prophet Jeremia bezichtigt nun sein Volk einer zweifachen Sünde, die sein Leben bedroht: die Menschen verlassen Gott, der lebensnotwendig ist wie eine frische Quelle, und holen sich Kraft bei Götzen, sie schöpfen nicht mehr aus der Kraftquelle, sondern aus Zisternen, Behältern, die nur für den Übergang bestimmt sind und wenig oder gar faules Wasser liefern.
Wissen wir, wie wir die Lebendige Quelle verlassen? Setzen wir nicht immer und immer wieder auf Geld und Macht, erwecken den Eindruck, als könnten wir keinen Sonntag feiern ohne die Bundesliga? Uns geht unser privates Wohlergehen über alles. Das heißt, wir setzen Dinge an die erste Stelle unseres Lebens, die dort nichts zu suchen haben, weil dort Gott seinen Platz hat, der uns erhalten will zum Leben, und uns lockt: kommt zur lebendigen Quelle, ich will, daß ihr lebt.

Ihr

Pfarrer F. Schmidt