Blick

in die Evangelische Kirchengemeinde Eisenberg/Pfalz



Gedanken zur Jahreslosung 1997:


Jesus Christus spricht: was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt.
< Lukas 9, Vers 25 >

Vorsicht, Gefahr singnalisiert uns dieser Spruch und gleichzeitig gibt er einen Hinweis auf die Notwendigkeit der Kirche. Sie ist dazu da, Schaden vom Menschen abzuwenden. Schaden, der den Menschen an seiner Wurzel trifft, der aber als solcher nicht sofort zu erkennen ist. Denn dieser Schaden scheint auf den ersten Blik ein Gewinn zu sein. Zumindest wird er uns als Gewinn angetragen, als etwas das Leben Bereicherndes. Oder finden wir die Erlebnisgesellschaft, in der wir leben, als etwas Bedrohliches, als etwas an die Wurzeln unseres Leben Gehendes?
Erleben, da wird etwas geboten, und jeder bemüht sich, ein Erlebnisprogramm anzubieten, und hat uns Gott nicht in eine Welt gestellt, in der es viel zu erleben gibt? - Es ist nur die Frage, worauf sich das Erleben bezieht. Wollen wir Programme erleben, die sich an uns ausrichten, damit wir das rechte und schöne Erlebnis haben, oder sind wir bereit, zu erleben, wie es ist, von Gott in einen bestimmten Zeitraum und an einen bestimmten Ort gestellt als sein Geschöpf zu leben, in der Gewißheit, daß mir Zeit und Ort von Gott geschenkt wurden, um das Programm seiner Liebe zu den Menschen zu gestalten? - Wo nun liegen die Unterschiede? Das Programm, das sich nur an meinen Bedürfnissen und der Befriedigung meines Erlebnisdrangs orientiert, wird zwangsläufig dazu führen, daß der Zusammenhalt der Menschen, die gegenseitige Rücksichtnahme und Verantwortlichkeit für das Ganze, immer mehr verschwinden, weil jeder nur haben und besitzen möchte und nicht daran denkt, daß die Lebensgrundlage das verantwortliche Mit- und Füreinander der von Gott geliebten Menschen ist. Die Kirche erinnert uns daran, daß es nicht darauf ankommt, meiner Seele ein religöses Programm anzubieten, das sie Æhappy“ macht, sondern daß die Liebe Gottes zu allen Menschen und zur gesamten Schöpfung gelebt wird. Die Kirche hilft dabei, indem sie klar und deutlich zu den einen sagt: Æwir sind für alle da, die ihr noch auf dem Erfolgs- und Erlebnistrip seid“, und zu den anderen: Æihr braucht die Kirche, um für andere dasein zu können“. Ganz konkret: Um den Notleidenden und den Schwachen bei uns und in den Ländern der Dritten Welt helfen zu können, benötigen wir die Mithilfe eines jeden Einzelnen. Denn nur dadurch werden wir in die Lage versetzt, jede Mark, die uns zur Behebung von Hunger und Elend gegeben wird, auch weiterzugeben. Je mehr Menschen für andere glauben und beten, umso stärker können in den egoistischen Erfolgs- und Erlebnisprogrammen nachdenkliche Töne zu Gehör gebracht werden, kann ein bißchen Wärme aufkommen und der Lokruf Jesu: Ækommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken,“ als Seelenheilmittel in die Dunkelheit des Einzelnen eindringen, damit die Seele keinen Schaden nimmt. Dazu benötigt die Kirche 1997 jeden Einzelnen in unserer Stadt und in unserem Land.

Ihr

Pfarrer F. Schmidt