Evangelische Kirchengemeinde Eisenberg/Pfalz


Prot. Kirche in Eisenberg - Kurzinformation

Zur Geschichte:

Die frühesten Zeugnisse des Christentums in Eisenberg gehen in die Zeit der Römer zurück. 1919 wurde bei Ausgrabungen einer kleinen militärischen Anlage der Eisenberger Brotstempel gefunden. Er diente zur Prägung von Abendmahlsbroten. Er zeigt neben dem Christusmonogramm X-P (Chi-Ro) auf den Kanten des Steines eine Inschrift: AD PANEM PINGERE - UTERE FELIX (in Deutsch: "Auf das Brot zu drücken - gebrauche es glücklich").
Voraussichtlich stand schon im frühen 8. Jahrhundert an der gleichen Stelle wie heute eine Gorgoniuskirche in Eisenberg.
1555 traten die Grafen von Stauf zum evangelischen Glauben über. Die gesamte Bevölkerung (bis auf 4 Familien) wechselte darauf ebenfalls die Konfession.
Der Gorgoniuskirche folgte die spätromanische St. Matthäuskirche, die 1898 abgerissen wurde. Grundrisse und Aufrißzeichnungen dieser Kirche sind noch vorhanden. Seit 1687 diente sie als Simultaneum beiden Konfessionen.

Zur Kirche:

1898 begann die Prot. Kirchengemeinde mit einem totalen Neubau. Als Architekt war der damals anerkannte Architekt Franz Schöberl aus Speyer ausgewählt worden.
Schöberl plante einen Kirchbau mit kreuzförmigem Grundriß. Der Turm steht auf der Ostseite neben dem Haupteingang und ist mit einem steil aufragenden Spitzhelm geschmückt. Der großflächige Innenraum bietet für fast 800 Menschen Platz. Auffallend ist die Gestaltung des großen Chorfensters und des darunter befindliche Presbyterstuhls mit seinen sieben spitzen Giebeln. Der Steinaltar konzentriert die imposante Raumwirkung auf sich und korrespondiert mit der Kanzel.
Am 19. März 1899 wurde der Grundstein gelegt.
Am 14. Oktober 1900 wurde das neue Gotteshaus eingeweiht.
1911 erhielt die Kirche eine Zentralheizung und 1914 eine elektrische Beleuchtung.

Zu den Glocken:

Seit Anfang waren schon 4 Glocken auf dem Turm. Die drei größten fielen im 2. Weltkrieg der Eisenschmelze zum Opfer. Sie wurden am 21. April 1942 auf dem Turm zerschlagen und abtransportiert. Die kleinste Glocke durfte die Kirchengemeinde behalten. 1951 wurden drei neue Gußstahlglocken beschafft.

Wir haben in Eisenberg folgende vier Glocken
(abgestimmt auf das kath. Gußstahlgeläute es'-f'-ass'-b'):

Glocke 1 Schlagton: b° Gewicht: 2676 kg lit. Amt: Gloriosa Ewigkeitsglocke
Glocke 2 Schlagton: des' Gewicht: 1670 kg lit. Amt: Abendbetglocke
Glocke 3 Schlagton: es' Gewicht: 1470 kg lit. Amt: Vaterunserglocke
Glocke 4 Schlagton: ges' Gewicht: ca. 750 kg lit. Amt: Taufglocke

Glocken 1+2+3 gegossen in Bochumer Gußstahl 1951, Glocke 4 gegossen 1900 von Joh. Gg. Pfeifer / Kaiserslautern(Bronze).

Zu den Fensterbildern:

Das Chorfenster zeigt in der Mitte Christus. Er steht vor einer Thronarchitektur auf einem Subpedaneum in Kontrapoststellung, umfangen von einem Strahlenkranz. Er trägt einen leuchtend rotenleuchtendroten Clamys, aus dem das weiße Untergewand hervorlugt. Er hat beide Arme segnend ausgebreitet.
Rechts daneben ist Martin Luther zu sehen. Er ist mit der Schaube, einer Gelehrtenkleidung gewandet. Er hält die Bibel vor sich, auf die er demonstrativ die Faust legt. Luther wird jugendlicher und weicher gemalt, als auf dem berühmten Bild von Lucas Cranach.
Auf der linken Seite entdecken wir Paulus. Typisch ist das gerollte Haar und der länglich spitz zulaufende Bart. Zu seinem Attribut zählt das Schwert, weil Paulus mit dem Schwert hingerichtet wurde. Die Schriftrolle zitiert den Satz aus dem Korintherbrief: "Wir aber predigen den gekreuzigten Christus".
Das gesamte Bild steht im Zeichen der Deutschen Vereinigung von 1871. Darauf weist das preußische und bayrische Wappen ganz oben im Bild.

Auf der rückwärtigen Rosette ist die Erlösungshoffnung des Christen dargestellt. Sie trägt die Signatur der damals bekannten Mannheimer Glasmanufaktur Kriebitzsch & Voege, die wir auch bei der Ausgestaltung der Speyerer Gedächtniskirche beteiligt finden. Im Mittelpunkt ist ein kniender, also in anbetender Haltung Harfe spielender König David dargestellt. Sein Podest sind die Mauern des von ihm gegründeten irdischen und analog gedachten himmlischen Jerusalem. Das Psalmengebet auf der Schriftrolle des mit seiner Musik betenden Königs ist dem Psalm 100 entnommen und lautet: "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergissvergiß nicht, was er dir Gutes getan hat." Dieses himmlische Jerusalem steht nun im Mittelpunkt des Erdkreises. Der Künstler hat diesen Erdkreis ganz der mittelalterlichen Vorstellung entnommen und ein mittelalterliches Weltbild dargestellt. Die Scheibe mit Jerusalem als Mittelpunkt wird umgeben von den vier Strömen des Paradieses. Sie sind als antike Brunnenmasken personifiziert als Pischon, Gihon, Euphrat und Tigris. Die Wasser der vier Flüsse vereinigen sich nun zu einem Strom, der das himmlische Jerusalem umfließt. Dazu treten als Hinweis auf das bewohnte, durch die grüne Bepflanzung angedeutete Erdenrund die vier Himmelsrichtungen mit der aufgehenden Sonne im Osten und der untergehenden Sonne im Westen.

Die Seitenfenster besitzen frei gestaltete leicht jugendstilige Ornamente, die einen dritten Stil in die Glasmalerei dieser Kirche einbringen.

Zur Orgel:

Auf der Empore ist die größte pfälzische Walckerorgel zu sehen. Die Orgel ist von Anfang an in dieser Kirche. Sie ist in der Registration ausgelegt als eine romantische Orgel, d. h. sie ahmt ein echtes Orchester mit seinem Instrumentarium nach. Das Prospekt, d. h. die Vorderansicht ist dem neugotischen Baustil der Kirche angepasst.

Zur Schwurhand:

Im Ausstellungsraum unter dem Turm ist unter anderem die "Eisenberger Schwurhand" zu sehen. Es ist eine "echte" Menschenhand, zu der man eine Stumpfwaldsage erzählt. Sie warnt die Menschen vor falschem Schwur und zu Ehrlichkeit.


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